Ein Ausflug nach Haithabu: Auf den Spuren der Wikinger

Eine winzige Siedlung mit spartanisch eingerichteten Reetdachhäusern, friedlich grasende Hochlandrinder auf einer angrenzenden Wiese und ein Panoramablick auf die Schlei: Ich befinde mich im Wikinger Museum Haithabu in Schleswig. Kaum zu glauben, dass im 10. Jahrhundert Menschen in dem Wikingerdorf lebten. Ich habe mich auf ihre Spuren begeben.

Vor einiger Zeit ist Finja in Schleswig gewesen und hat dir 10 Tipps für deinen Ausflug nach Schleswig zusammengestellt. Heute möchte ich dir eine ganz andere Seite der Schleistadt vorstellen.

 

Auf den Spuren der Wikinger

In der Geschichte der Wikinger spielt Schleswig eine wichtige Rolle. Denn hier befand sich die Hafenstadt Haithabu. Direkt an der Schlei gelegen hat der Ort den Haupthandelsweg zwischen Nord- und Ostsee kontrolliert. Er war das Tor der Wikinger nach Europa. Bauern, Sklaven, Seefahrer und Händler trafen hier aufeinander. Knapp 2000 Menschen haben in der Stadt gewohnt. Umgeben wurde das Gebiet mit einem neun Meter hohen Schutzwall, dem Danewerk. Mehr darüber erfährst du im Danevirke Museum in Dannewerk.

Ich möchte mehr über die Seekrieger erfahren. Und wo lerne ich darüber mehr, als im Wikinger Museum Haithabu? So machen meine Kollegin und ich uns auf den Weg nach Schleswig – auf die Spuren der Wikinger.

 

 

Das Wikinger Museum Haithabu

Das Museum besteht aus zwei Teilen. Das überdachte Gebäude, in dem du archäologische Originalfunde und Relikte der Wikinger aus Haithabu bestaunen kannst und den Außenbereich. Hier wurden die Häuser des Frühmittelalters originalgetreu mit viel Liebe zum Detail nachgebaut. Für einen Eintrittspreis von insgesamt 8 Euro kannst du beide Bereiche besuchen.

Zum überdachten Museum benötigst du vom Parkplatz aus gerade einmal 5 Minuten. Von Mai bis Oktober bringt dich für 4 Euro sogar eine hübsche Barkasse von der Schleswiger Altstadt aus nach Haithabu. Weitere Informationen dazu findest du hier.

In der großen Eingangshalle startet der Rundgang. Dort bekommst du Souvenirartikel und auch das Haithabu-Café grenzt hier an. Dem Inhaber der Bistroküche gehört ebenso das Café und Restaurant Odins Haddeby am Schleiufer. Mehr dazu jedoch später. Neben unseren Eintrittskarten bekommen wir im Eingangsbereich auch einen Audioguide.

 

 

Eine Reise in die Vergangenheit

Der Audioguide ermöglicht nicht nur blinden Menschen die Informationstafeln zu „lesen“. Wir erfahren dadurch interessante Hintergrundinformationen jenseits der Schilder. Haithabu gibt es bereits seit dem 8. Jahrhundert. Durch die direkte Lage an der Schlei, haben Handel und Handwerk das Leben der Stadtbewohner bestimmt. Einige der Exponate, wie beispielsweise Waffen und Schmuck, sind so gut erhalten, dass du sie in gläsernen Vitrinen bestaunen kannst.

 

Das Schwert ist nur eines der Originalfunde

Aus geborgenen Teilen des Wracks konnte eine Abbildung des ganzen Schiffes erstellt werden

 

Das Gebäude liegt mitten im Grünen. Große Fenster in der Schiffshalle ermöglichen uns einen fabelhaften Blick auf den Meeresarm. Die Ausstellung ist gut besucht. Kinder einer Schulklasse laufen von einem Ausstellungsexponat zum nächsten und machen sich eifrig Notizen. Sie unternehmen heute eine Rallye, die das Museum speziell für Schulklassen erstellt hat. Auch für Familientreffen, Betriebsausflüge und Geburtstagsfeiern werden verschiedene Programme für jede Altersstufe angeboten. Genauere Infos dazu findest du hier.

 

 

Wie die Wikinger im Frühmittelalter lebten

Nachdem wir jedes Exponat unter die Lupe genommen und ein riesiges rekonstruiertes Wikingerschiff in der Halle bewundert haben, sind wir neugierig auf die nachgebaute Wohnsiedlung. Diese liegt etwa 20 Minuten Fußweg entfernt. Gut zu wissen: Für Menschen mit Handicap ist eine Anfahrt bis zur Siedlung möglich. Denn hier wird viel Wert auf Barrierefreiheit gelegt.

 

Die große Glocke steht im Eingangsbereich des Museums

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Der Blick aus dem Fenster der Schiffshalle

 

Alleine der Weg zu den Wikingerhäusern ist eine Augenweide. Die Route führt meine Kollegin und mich durch ein hübsches Waldstück, das jedoch nach kurzer Zeit einer endlosen Weite mit Blick auf die Schlei weicht. Galloway-Rinder zu unserer Linken, Skudden zu unserer Rechten. Die Skudde gehört zu den ältesten Hausschafen und ist inzwischen sogar eine bedrohte Nutztierrasse. Hier sehen wir jedoch viele kleine Lämmchen, die entspannt in der Sonne liegen und sich nicht von den Besuchern stören lassen.

 

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Ein gutes Stück gehen wir den breiten Schotterweg entlang, bis wir zwischen Bäumen und Büschen die ersten Reetdächer erkennen. Und dann erstreckt sich vor uns eine beeindruckende Siedlung. Hier reiht sich ein Lehmhäuschen an das nächste. Getrennt werden sie von einem schmalen Holzweg. Jedes Häuschen hat seine eigene Bedeutung. Da gibt es beispielsweise die Behausung eines Tuchhändlers oder eines Holzhandwerkers und die größte Hütte von allen: Das Versammlungshaus.

 

Unverkennbar: Das Haus des Holzhandwerkers

Hier hat der Tuchmacher gewohnt

Das Versammlungshaus war der Zusammenkunftsort für die Stadtbewohner

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Jedes der Reetdachhäuser darf betreten werden. Ich finde es unglaublich spannend zu sehen, wie spartanisch und trotzdem nützlich die Häuser eingerichtet waren. Auch, wenn sie nicht wirklich aus dem 10. Jahrhundert stammen, sondern nach Originalfunden rekonstruiert wurden, stelle ich mir gern vor, wie die Menschen dort gelebt haben.

 

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In der Ferne erkennst du die Gebäude des überdachten Museums

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Du kannst dir hier jedoch nicht nur die Häuser der Wikinger angucken, sondern das Handwerk und Marktleben der damaligen Zeit hautnah erfahren. Über das ganze Jahr verteilt finden Veranstaltungen und Vorführungen statt, bei denen du zuhören, staunen oder sogar mitmachen kannst. Das Programm mit allen Veranstaltungen und Vorführungen findest du hier.

 

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Kaffee und Kuchen im Odins Haddeby

Nur mit Mühe kann ich mich von dieser geschichtsträchtigen Siedlung losreißen. Mein knurrender Magen lässt uns jedoch den Rückweg antreten. Auf dem Hinweg zum Museum haben meine Kollegin und ich ein Restaurant und Café entdeckt, das wir unbedingt noch testen wollen. ODINS HADDEBY gehört dem gleichen Besitzer wie das Haithabu-Café, ist Mitglied im Verein Feinheimisch e.V. und passt perfekt ins Konzept des Wikingermuseums.

Am Eingang des Restaurants und Cafés steht ein massiver Kamin aus Backsteinen, in dem ein gemütliches Feuer prasselt. Stühle und Tische sind aus rustikalem Holz angefertigt und lauschige Felle auf den Bänken komplettieren das Bild einer Wikingerschänke.

 

Ebenfalls ein Teil des Restaurants und Cafés: Ein Biergarten mit Blick auf die Schlei

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Ein spannender Tag geht zu Ende

Mit  Cappuccino und einem leckeren Stück hausgemachtem Käsekuchen schnacken wir über unseren Tag. Wir finden, das Wikingermuseum Haithabu ist etwas für die ganze Familie. Neben interessanten Informationstafeln wird dir die Geschichte ganz anschaulich vermittelt. Theateraufführungen und Mitmachaktionen werden für jedes Alter angeboten.

Die direkte Lage an der Schlei ist die Kirsche auf dem Sahnehäubchen. Dank des überdachten Teil ist das Museum nicht nur an sonnigen Tagen einen Besuch wert. Auch an einem Schietwetter-Tag ist es lohnenswert. Durch Odins Haddeby und das Haithabu-Café bleibt weder der Magen leer noch der Kaffeedurst ungestillt.

 

Bist du schon einmal in Haithabu auf die Spuren der Wikinger gegangen? 

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Wikinger Museum Haithabu
Am Haddebyer Noor 5, Busdorf
Öffnungszeiten: täglich 9 bis 17 Uhr
Eintritt: 8 Euro
Website

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Fotos: Lene Rusbült und Ramona Dabringer

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