von Sina Hoyer

Förde Fräulein trifft Lisa von @lisasmakramees

Lisa aus Laboe hat ein ganz besonderes Hobby: Sie macht Knotenkunst. Ihre Kunstwerke nennen sich „Makramees“ und die liegen momentan super im Trend. Ich wollte schon immer wissen, wie das eigentlich funktioniert. Grund genug, die 29-Jährige in ihrer süßen Wohnung zu besuchen und einen Selbstversuch zu starten.

 

Was genau sind Makramees?

Makramees sind Ornamente, Wandbehänge, Textilien oder Schmuck aus Garn oder Wolle, die mit bestimmten Knüpftechniken kreiert wurden. Ursprünglich kommen diese Techniken aus dem Orient, so auch die Wortabstammung von dem arabischen Wort „migramah“. Es bedeutet so viel wie „weben“, was den Prozess eines Makramees sehr gut beschreibt. Dabei gibt es bei der Größe und dem Design keine Grenzen. Von kleinen Schlüsselanhängern bis zu metergroßen Wandteppichen – Makramees sind vielfältig und immer wunderschön.

 

 

 

Knüpfen als Entspannung

Lisa absolviert zur Zeit ein Referendariat, was manchmal schon sehr anstrengend wird. Zum Ausgleich knüpft sie deshalb Makramees. Die Techniken dazu hat sie sich ganz einfach selbst anhand von Video-Tutorials beigebracht. Zusätzlich hat sie sich von vielen Interior-Seiten in den sozialen Netzwerken zu ihren eigenen Kunstwerken inspirieren lassen. Ihre Ergebnisse teilt sie auf ihrem Instagram-Account @lisasmakramees.

 

Mission plastikfrei

Der angehenden Lehrerin ist es dabei besonders wichtig, dass ihre Werke komplett frei von Plastik sind. Leider war Lisa auf ihrer Suche nach plastikfreien Garn in der Kieler Innenstadt nicht erfolgreich, darum bezieht sie ihre Materialien großenteils über das Internet. Mittlerweile werden ihre Kunstwerke sogar verkauft, zwar nicht in Kiel, aber in dem Bremer Concept Store Mamoana Oceanlovers, in dem ausschließlich Produkte ohne Kunststoffe angeboten werden. Der Verkauf steht für Lisa allerdings nicht an erster Stelle – ihre Makramees sollen für sie lediglich ein Ausgleich und Hobby sein.

 

 

So fängst du an

Lisa fängt immer mit einer großen Menge Garn an. „Lieber zu viel als zu wenig, weil abschneiden leichter ist als neu anknüpfen“, verrät sie mir. Ich entscheide mich für ein schlichtes weißes Garn, obwohl die gebürtigen Preetzerin auch wunderschöne, gedeckte Farben wie grün, blau oder altrosa im Repertoire hat. Die Stränge schneidet Lisa auf eine ungefähr gleiche Länge, da sie von peniblen Arbeiten mit dem Maßband nicht viel hält. „So pi mal Daumen passt immer irgendwie“, erzählt mir Lisa mit einem kleinen Kichern.

 

 

Nun geht es ans Eingemachte: Die Schnüre werden an das Holz geknotet und ein Garn zum Aufhängen befestigt. Am liebsten benutzt Lisa Treibholz aus der Kieler Förde. „Das sieht einfach am schönsten aus, da die Rinde schon natürlich gelöst wurde“, erklärt sie mir. Die einzelnen Schnüre hängen jetzt. So weit, so gut. Dann zeigt Lisa mir die erste Knotentechnik und ich bin am Zug. Mit zittrigen Händen versuche ich mein Bestes und ganz schnell macht mir das Knüpfen sogar richtig Spaß.

 

Lage um Lage

Nach der ersten „Layer“, also der ersten Schicht unseres Makramees, möchte ich den kleinen Knotenteppich am liebsten schon in meine Wohnung hängen, so wunderschön finde ich ihn. Ingesamt hat Lisa bereits so um die 25 kleine und große Makramees gezaubert. Ihr Geheimnis ist, keine Wissenschaft aus der Knüpfkunst zu machen. Welche Bezeichnungen die Knoten nun haben und auch andere Fachtermini rund um Makramees, das ist alles nicht so wichtig, denn der Spaß steht für sie an erster Stelle.

 

 

Dass Lisa bald Lehrerin wird, konnte ich spüren, denn ihre Erklärungskünste sind wirklich sagenhaft. „Eigentlich kann jeder Makramees machen, man braucht nur etwas Fingerspitzengefühl und die nötige Geduld“, sagt sie auf mit ihrer ruhigen Art und lächelt. Und in der Tat: So einfach wie es aussieht, ist das Knüpfen leider nicht. Ich musste mich tatsächlich sehr konzentrieren, wo welcher Faden als nächstes hinkommt und wie oft ich schon geknotet habe. Aber auch der Profi muss immer bei der Sache bleiben. „Fernsehen schauen nebenbei geht bei mir eher schlecht“ scherzt sie, und gibt mir so Mut für die zweite Lage.

 

Die runden Knoten verleihen dem Makramee noch mehr Struktur und einen 3D-Effekt. Den finde ich besonders spektakulär! Dafür muss ich eine Knotentechnik aus der ersten Lage anwenden und anschließend die Enden des Garns durch den Anfangskoten ziehen, sodass eine Art Ball entsteht. So entstehen aus den gleichen Techniken unterschiedliche Elemente.

 

 

 40qm² voller Kreativität

Vor dem letzten und finalen Schritt legen wir eine kurze Pause ein, in der mir Lisa ihre kleine Wohnung zeigt. Ich bin überrascht, wie niedlich und mit wie viel Detailliebe die wenigen Quadratmeter eingerichtet sind. In jedem Raum finde ich natürlich Makramees, die den Räumen ein hyggeliges, natürliches Ambiente verleihen. Das rechte Wandmakramee war Lisas erster Versuch – kaum zu glauben, oder?

 

Lisa liebt es Dinge selbst zu machen. Die Kommode hat sie beispielsweise selbst gebeizt und auch das Gemälde gemalt.

Auch die Bezüge ihrer Stühle hat die talentierte, junge Frau selbst genäht. 

 

Einmal Friseurin spielen

Zurück zum Eigentlichen: unserem Makramee. Es folgt der letzte Step, vor dem es mir schon gegraust hat: Das Frisieren. Die Fäden unseres Kunstwerkes sind nämlich leider noch viel zu lang und ungleichmäßig, also nehme ich die Schere in die Hand und bekomme etwas Bammel – jetzt kann ich nochmal alles versauen. Aber unter Lisas Anleitung und meinen Nervositäts-Schreien gelingt mir eine nette Frisur.

 

 

Zero Waste als Grundsatz

Die abgeschnittenen Reste schmeißt Lisa auf keinen Fall weg, sondern verwendet sie für Mini-Makramees. Sowieso versucht die Laboerin so wenig Müll wie möglich zu produzieren. Aus den Resten entstehen super schöne Schlüsselanhänger, Schnullerketten und kleine Dekorationen wie der Stern an Lisas Fenster, den ich mir auch sehr gut als Tannenbaumschmuck vorstellen kann. Was wohl aus den heutigen Überbleibseln entstehen wird?

 

 

Das Ergebnis

Nach gut zweieinhalb Stunden, inklusive Franzbrötchen, Tee, Wohnungsbesichtigung und einem langen, ausführlichen Gespräch, ist unser Makramee fertig. Ich bin super stolz und freue mich so sehr, dass ich das wirklich mit meinen eigenen Händen geschafft habe. Zukünftig werde ich mich nochmal alleine an ein Makramee trauen, denn mich hat das Fieber gepackt! Wenn ich dann Hilfe bei einem Knoten benötige, weiß ich jetzt ja, welche tolle Lehrerin ich dafür ansprechen kann.

 

 

Wenn du jetzt noch mehr von Lisa und ihren Makramees sehen möchtest, dann schau doch mal auf ihrem Instagram-Account vorbei. Möchtest du auch ein Makramee von Lisa haben? Dann frag Sie einfach mit einer netten Nachricht über Instagram. Ich finde ja auch, dass unsere Knüpf-Queen auch das Zeug dazu hätte, einen eigenen kreativen Workshop zu veranstalten. Ein Glück, dass sie auch schon mit dieser Vorstellung liebäugelt. Ich freue mich darauf!

 

Wie gefällt euch unser Makramee?

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2 comments

  1. Hannelore Petersen

    Ein toller Bericht über eine tolle Frau, die ihre knappe Freizeit sinnvoll einsetzt und so schöne und praktische Dinge herstellt.

  2. Sigrid Schrader

    Hallo, ich finde es interessant, dass offensichtlich Vieles immer mal wieder auftaucht, wenn auch in anderem Gewand. Auch ich habe – als ich Junglehrerin war – Makramee geknüpft wie viele andere Frauen, das war wie eine Welle. Viel Spaß im Beruf und bei den Hobbies.