Aufgemöbelt: Mein neuer alter Retro-Sessel

Retro-, Lounge- und Cocktailsessel der 1950er-Jahre feiern ein Revival und liegen voll im Trend. Schon lange wünschte ich mir ein Exemplar für mein Zuhause. Dieser Wunsch wurde dank der Polsterei in den Werkstätten Materialhof in Rendsburg wahr, die meinen abgenutzten Flohmarktfund in meinen neuen Lieblingssessel verwandelte. Die spannende Verwandlung habe ich für dich dokumentiert.

 

Der Traum vom eigenen Retro-Sessel

Wie das Glück es wollte, bekam ich vor einiger Zeit einen alten Cocktail-Sessel geschenkt. Dieser war mehr als abgenutzt, durchgesessen, und der Stoff in Senfgrün verursachte eher Gänsehaut als Freudenschreie. Dennoch war ich überzeugt davon, dass in ihm ein echtes Lieblingsstück schlummern würde. Es braucht „nur“ eine neue Polsterung, einen modernen Stoff und hier und da ein paar Reparaturen. Da dies meine handwerklichen Fähigkeiten leider übersteigt, begab ich mich auf die Suche nach einem Profi. Denn das Handwerk eines Polsterers erlernt man natürlich nicht über Nacht.

 

 

Die richtige Adresse

Bei meiner Recherche wurde ich auf die Polsterei der Werkstätten Materialhof – eine anerkannte Einrichtung für Menschen mit psychischen Behinderungen – in Rendsburg aufmerksam. Der Spezialist für Polsterarbeiten aller Art schien genau der richtige Ansprechpartner zu sein. Denn dort wird neben der Aufarbeitung und Reparatur die individuelle Neuanfertigung von Polstermöbeln angeboten. Zudem finde ich den Gedanken schön, eine Einrichtung zu unterstützen, die Menschen mit Handicap berufliche Qualifikation und gesellschaftliche Integration ermöglicht. Mehr dazu weiter unten.

 

 

Zu Besuch in der Polsterei

Mit meinem Sessel mache ich mich also auf den Weg nach Rendsburg. Bei einem kleinen Rundgang durch die Polsterei bin ich ganz begeistert von den vielen Arbeiten, an denen dort gewerkelt wird. Ich staune vor allem über Stühle im Vintage-Stil und Sofas, die ihre ganz eigenen Geschichten erzählen. Nähmaschinen rattern, um neue Stoffe in Form zu bringen, es wird gehämmert, geschraubt und geklebt – sowohl für Privatkunden als auch für Gaststätten, Theater, Kinos oder Arztpraxen.

 

 

Ich lasse mich vor Ort zunächst ausführlich von Arne Müller und Andrea Heines beraten. Die beiden verstehen ihr Handwerk und nehmen sich viel Zeit, um zu prüfen, welche Arbeiten für meine Wunschvorstellung erforderlich sind. Anschließend wähle ich einen Stoff aus. Bei der großen Auswahl von diversen Herstellern ist das gar nicht so leicht, kann ich dir sagen. Denn es gibt ja so unendlich viele Möglichkeiten bei Mustern, Formen, Farben. Meine Wahl fällt letztlich natürlich auf ein maritimes Muster in Blau-Weiß. Das erinnert ein wenig an einen Strandkorb an der Ostsee und versprüht Urlaubsfeeling, oder?

 

 

Dann wird ein Kostenvoranschlag zusammengestellt. Du möchtest jetzt bestimmt genau wissen, wie viel so eine Aufarbeitung kostet. Das richtet sich jedoch nach den Kundenwünschen, den verwendeten Materialen und der voraussichtlichen Arbeitszeit. Da sich die Preise bereits bei den Möbelstoffen stark unterscheiden können, lässt sich schwer ein Pauschalpreis nennen. Aber für einen Stuhl oder Sessel, der schon Generationen überlebt hat, und dadurch für mich auch einen ideellen Wert hat, gebe ich gerne etwas Geld aus. Lass dich also am besten individuell beraten.

 

Der Weg zum neuen Sessel

Nachdem wir das neue Aussehen genau festgelegt haben, überlasse ich meinen Retro-Sessel den Händen der Polsterei. Mit großer Spannung verfolge ich bei zwei weiteren Besuchen die einzelnen Arbeitsschritte, die meinen Liebling immer schöner werden lassen.

 

 

Zunächst wird er komplett auseinandergenommen.

 

 

Auch die Holzteile werden entfernt, um den Lack abzuschleifen. Dann werden die Füße und Lehnen neu geölt. Ich habe mich zusätzlich für einen matten Look entschieden.

 

 

Nachdem der neue Schaumstoff den Sessel umhüllt, wird der Stoff zugeschnitten und vernäht.

 

 

Die weiße Borte setzt einen schönen Akzent.

 

 

Bei jedem Schritt arbeitet das gesamte Team sehr professionell und denkt an jedes Detail wie die gleichmäßige Verteilung des Streifenmusters und sogar an ein kleines Kissen aus den Stoffresten. Voller Vorfreude hole ich das fertige Ergebnis – das auf Wunsch sogar kostenlos geliefert wird – ab. Ich bin verliebt in meinen neuen alten Sessel im maritimen Look, der jetzt einen Ehrenplatz in meiner Wohnung bekommt. Danke Arne und Andrea, es hat viel Spaß gemacht mit euch!

 

 

Über die Werkstätten Materialhof

Ich möchte euch zum Schluss noch ein bisschen mehr über die Einrichtung selbst erzählen. Seit mehr als 30 Jahren bieten die Werkstätten Materialhof Menschen mit psychischen Erkrankungen die Möglichkeit zur beruflichen Qualifikation und gesellschaftlichen Integration. An den Standorten in Rendsburg und Eckernförde (Kompass ‘98) arbeiten 300 Beschäftigte mit Handicap in über 20 differenzierten Arbeitsgruppen, die von qualifizierten Fachkräften geleitet werden.

Die Werkstätten Materialhof bieten ein breit gefächertes Dienstleistungs- und Produktangebot, das von Polster- und Tischlereiarbeiten über EDV-Dienstleistungen bis hin zur meeresbiologischen Analyse reicht. Sehr empfehlen kann ich dir zudem das gemütliche café tagespost. In der Schmuckschmiede nebenan habe ich auch ein paar wirklich schöne Ringe, Ketten und Anhänger entdeckt. Weitere Informationen über das Angebot hier. Übrigens: Am 4.11.17 feiern die Werkstätten Materialhof Jubiläum mit einem Tag der offenen Tür!

Wie gefällt dir mein neuer Retro-Sessel? Ich hoffe, du hast auch Lust bekommen, einem alten Erbstück oder einer Errungenschaft vom Flohmarkt wieder neues Leben einzuhauchen. Jetzt weißt du zumindest, an wen du dich da wenden kannst. 🙂

Fotos: Finja Schulze & Arne Müller

Polsterei in den Werkstätten Materialhof
Bahnhofstraße 12-16
24768 Rendsburg

Website

polsterei@materialhof.de
04331 14 33 20

In liebevoller Zusammenarbeit mit den Werkstätten Materialhof Rendsburg.

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3 comments

  1. Der Sessel ist so, so, so toll geworden, liebe Finja! Ein echter Hingucker, ich liebe den maritimen Touch! <3 Das neue Design hast Du super ausgewählt! Schön auch zu wissen was für fähige Handwerksbetriebe es hier im Norden noch gibt. Das "Aus-alt-mach-neu"-Konzept findet in letzter Zeit bei mir auch immer mehr Anklag, das ist so viel bedachter, nachhaltiger und persönlicher! 🙂

    Liebe Grüße,
    Irina

  2. Was für ein tolles Ergebnis! Ich liebe es auch, alten Stücken neues Leben einzuhauchen. Der Beitrag ist wirklich schön, auch, weil die Werkstatt so ausführlich vorgestellt wird. Richtig toll! Danke dir!

Finja Schulze

Da leben, wo andere Urlaub machen? Unbedingt! Als waschechtes Küstenmädchen liebe ich die Fördestadt und kann mir keine schönere Heimat vorstellen. Ich genieße den Luxus, einfach mal einen Tag ans Meer fahren zu können, dem Meeresrauschen zu lauschen und mit Sand in den Schuhen nach Hause zu gehen. Auf Förde Fräulein möchte ich meine Liebe zu Kiel teilen und die Stadt mit all ihren Facetten zusammen mit euch immer wieder neu entdecken!