von Lene Rusbült

Förde Fräulein trifft Künstlerin Diana Gumz

Wenn sie malt, ist sie in ihrer ganz eigenen Welt. Es gibt kein Richtig oder Falsch, nur das Hier und Jetzt. Diana Gumz ist Künstlerin. Und sie ist mutig, denn für ihren Traum eines eigenen Ateliers hat die junge Frau ihren sicheren Job aufgegeben. In ihrem Atelier im Knooper Weg in Kiel gibt sie nun ihre Leidenschaft in Workshops an Kunstbegeisterte jeden Alters weiter. Wie Diana auch mich bei meinem Besuch in ihre Welt der Farben gelockt hat, erzähle ich dir in diesem Beitrag.

 

Ich stehe in einem großen, in Pastellgrün gestrichenen Raum. Ein gigantischer und mit Malerteppichen abgedeckter Holztisch steht in der Mitte, die Wände sind behangen mit großen und kleinen Malereien und in einem Regal aus alten Heizungsrohren befinden sich Acryltuben in allen erdenklichen Farben des Regenbogens.

 

Kunstkurse für Jedermann

In ihrem Atelier „Buntes im Grünen“ im Knooper Weg 98 hat sich Diana Gumz ihr eigenes farbenfrohes Reich geschaffen. Hier malt und arbeitet sie, gibt kreative Workshops und Kunstkurse für Jung und Alt. Und das ohne große Vorgaben. Sie möchte, dass die Teilnehmer zu ihrer eigenen Kreativität finden, ohne bestehende Künstler zu kopieren. Auch ich möchte mich heute an einem Werk versuchen. Bei einem Kaffee in ihrer gemütlichen Sofaecke erzählt mir Diana jedoch zunächst von ihrer Liebe zur Kunst, die sie erst jetzt zu ihrem Beruf gemacht hat.

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„Ich möchte, dass die Leute zu ihrer eigenen Kreativität finden“

 

 

Diana war nicht immer Künstlerin. Vor ihrem Schritt zur Selbstständigkeit hat sie 25 Jahre lang als Bankkauffrau gearbeitet. Doch die Kunst fehlte ihr. Schon als Kind hat sie viel gebastelt und gemalt. Trotzdem entschied sie sich für den sicheren Weg: Für eine Ausbildung, in der sie mit Zahlen, Fakten und Excel-Tabellen jonglierte. Ihre Kreativität rückte dabei immer mehr in den Hintergrund.

 

 

Förde Fräulein: Diana, wie bist du zur Kunst gekommen?

Diana: Nachdem ich lange Zeit als Bankkauffrau gearbeitet habe, merkte ich, dass mir etwas fehlte. Ich musste etwas in meinem Leben verändern. Mit der Hoffnung fündig zu werden, ging ich auf Atelierstour. Jedes Wochenende habe ich ein anderes Atelier besucht und mit den Künstlern dort an deren Projekten gearbeitet. Diese künstlerische Arbeit hat mein kreatives Herz aus einem Dornröschenschlaf geweckt. So habe ich mich kurzerhand dazu entschlossen, neben meinem Vollzeitberuf ein Kunsttherapie-Studium zu beginnen.

 

 

Was hat sich seit dem für dich verändert?

Nachdem ich lange hin und her überlegt habe, habe ich meinen Job als Bankkaufrau an den Nagel gehängt, um hauptberuflich als Künstlerin durchzustarten. Die Entscheidung ist mir alles andere als leicht gefallen, denn ich habe eine Menge Sicherheit dafür aufgegeben. Ich wollte jedoch endlich etwas eigenes, mein eigener Boss sein. Durch Zufall habe ich dann gesehen, dass die Räumlichkeiten meines jetzigen Ateliers frei waren. Ich war neugierig, wie hoch die Kosten sind und ob es überhaupt möglich wäre, mir dort ein Atelier einzurichten. Am Ende passte alles und ich habe den Raum sogar bekommen. Nun bin ich hier selbst kreativ und gebe meine Leidenschaft in Workshops und Kursen an andere Menschen weiter.

 

 

Kann jeder an deinen Workshops und Kursen teilnehmen?

Die Workshops sind gleichermaßen für Kinder und Erwachsene und dauern in der Regel um die drei Stunden. Wir behandeln dort ein bestimmtes Thema, wie beispielsweise Fluidpaintings oder alles rund um die Farbe blau. In den Kursen hingegen sind die Teilnehmer komplett frei und haben keinerlei Vorgaben. Ich möchte, dass die Leute zu ihrer eigenen Kreativität finden. Dabei spielt es auch gar keine Rolle, ob du bisher schon künstlerisch aktiv warst oder blutiger Anfänger bist. In der Kunst gibt es kein Richtig oder Falsch, es ist wie eine Flucht aus dem Alltag, bei der du deinen Kopf einmal abschalten kannst. Für die Kids biete ich übrigens spezielle Kurse an. Ich gestalte diese gerne spielerischer als die Erwachsenenkurse.

 

 

„Kreativ sein bedeutet, nicht nur zu malen oder zu basteln. Es bedeutet, dass man in der Lage ist, eine Lösung zu finden“ 

 

 

Wie kann ich mir den Ablauf eines Kurses vorstellen?

Ein Kurs besteht aus vier Terminen, die jeweils 1,5 Stunden dauern. Zu Beginn lasse ich die Teilnehmer zunächst mit der Umgebung vertraut werden, denn sie sollen sich wohlfühlen, um sich frei entfalten zu können. Nahezu jeder behauptet vorher, total unbegabt zu sein. Diese Schale gilt es erst einmal zu brechen. Dazu quatsche ich viel mit den Teilnehmern, um ihr Vertrauen zu gewinnen. Zudem bekommen alle einen Fragebogen mit eher unkonventionellen Fragen. Diese zwingen die Teilnehmer dazu, sich nur mit sich selbst zu beschäftigen und lösen somit einen Knoten im Kopf.

Anschließend geht es ans Malen. Ich zeige ihnen verschiedene Werke mit unterschiedlichen Maltechniken, sodass sie inspiriert werden. Im Laufe des Kurses behandeln wir immer wieder Fragen, wie ich mit bestimmten Mitteln spezielle Effekte erzielen kann. Denn kreativ zu sein bedeutet nicht nur zu basteln oder zu malen. Es bedeutet, dass man in der Lage ist eine Lösung zu finden.

 

 

Natürlich habe ich mich auch an einem eigenen Kunstwerk versucht. Diana ermutigt mich, mich an einem maritimen Bild mit Wellen und goldenem Kompass zu probieren. Ein bisschen mulmig ist mir schon, denn das Motiv sieht alles andere als einfach aus. Diana steht mir jedoch die ganze Zeit mit helfender Hand zur Seite. Zunächst grundiere ich die Leinwand mit weißer Farbe. Wie ich jedoch das mehrfarbige strukturierte Wellenmotiv hinbekommen soll, ist mir ein Rätsel.

 

 

Diana zeigt mir, wie ich Farbstränge in verschiedenen Blau- und Weißtönen auf der Leinwand verteilen muss, um sie anschließend mit einer Farbrolle bearbeiten zu können. „Hab keine Angst vor Fehlern! Du kannst nichts falsch machen, es ist dein persönliches Werk“, motiviert sie mich immer wieder. Und ich vertraue ihr voll und ganz. Ich merke, wie ich mit jeder Bahn der Rolle mutiger werde. Nachdem ich zufrieden die Farbe zur Seite gestellt habe, muss das Bild trocknen, damit ich anschließend den goldenen Kompass auf das Bild auftragen kann. Das funktioniert ganz einfach durch eine Schablone und goldene Sprühfarbe.

 

 

Am Ende bin ich richtig zufrieden mit einem Werk. Niemals hätte ich gedacht, dass ich dieses Bild hinbekommen würde, hab mich nach einigen Farbbahnen nicht getraut weiterzumachen aus Angst, ich würde das ganze Bild mit nur einem falschen Farbstrich zerstören. Diana hat mich jedoch immer ermutigt mir selbst zu vertrauen und neues zu wagen. Manchmal lohnt es sich eben über seinen Schatten zu springen und zu sagen „einfach machen“.

 

 

Übrigens: Ab dem 01.03. kannst du Dianas Bilder in einer Dauerausstellung im Best Western Hotel in Warnemünde bestaunen und ab September sogar zusätzlich noch im Steigenberger in Zingst und in der Galerie Marziart in Hamburg. 

 

Anker

Buntes im Grünen by Diana Gumz
Knooper Weg 98, Kiel
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Lene Rusbült

Als geborene Kieler Sprotte gehört mein Herz der Stadt am Meer und allem was dazu gehört. Ich liebe die Nähe zur Küste, das Rauschen der Wellen und sogar das klassische „Kieler Wetter“. Das Geschrei der Möwen und das durchdringende Tuten der großen Pötte gehört für mich genau so zum Lebensgefühl dazu wie sandige Schuhe und eine stets frische Brise. Auf Förde Fräulein möchte ich alle an diesem Kielgefühl teilhaben lassen und das wohl schönste Fleckchen Erde – den Norden – mit euch erkunden.