So wohnt der Norden: Auf Zeitreise mit Dagmar aus Husby

Ganz viel Leidenschaft für das Wohnen im Stil vergangener Zeiten, antike Dekorationen mit Geschichte und jede Menge DIY-Inspiration – das entdeckte ich in den vier Wänden von Dagmar Hinrichs aus Husby. Komm’ mit auf eine Zeitreise!

Während eines Kurztripps nach Flensburg führte mich mein Weg letzten Sommer in den kleinen Laden „Einfach Zauberhaft“ nach Husby. Dort staunte ich über die wundervollen Möbelstücke im Shabby-Chic-Stil, die in mühevoller Arbeit von Inhaberin Dagmar Hinrichs aufgearbeitet wurden.

Sie gewährte mir auch einen kurzen Blick in ihre eigenen vier Wände, die sich auf zwei Etagen direkt über dem Laden befinden. Bei meinem zweiten Besuch durfte ich nun sogar jeden Winkel mit meiner Kamera festhalten und noch tiefer in Dagmars Welt eintauchen.

Wie beim letzten Mal, parkt Dagmars nostalgischer VW-Bus „Knatti“ direkt vor der Tür. Tausende Kilometer ist sie mit ihm schon gefahren, um für ihre Kunden neue Möbelschätze nach Husby in den Laden zu bringen.

 

 

Die blonde Frau mit den strahlend blauen Augen begrüßt mich auf ihre gewohnt fröhliche Art. Von den vielen Dekorationen, die mir bereits in ihrem Flur begegnen – und mindestens doppelt so alt sein müssen wie ich selbst – bin ich wieder aufs Neue ganz fasziniert.
Wer hier durch die einzelnen Räume geht, auf die mit Tapeten verzierten Wände, die längst stehengeliebenen Uhren, die imposanten Fensterläden, die urigen Balken, die niedlichen Schaukelpferde, den langen, weiß gestrichenen Holz-Esstisch oder den nostalgischen Ofen blickt, der begibt sich auf eine Zeitreise. Dabei kann ich mir kaum vorstellen, dass hier wirklich ein Ehepaar mit einem Golden Retriever lebt. Denn alles ist so akkurat, so detailverliebt, so gemütlich eingerichtet.

 

 

„Ich glaube, ich bin in der falschen Zeit geboren.“

„Ich stand schon immer auf so alte Sachen. Bereits als Kind liebte ich es, wie man früher lebte und hielt mich am allerliebsten in ländlich anmutenden Ställen auf, besuchte gerne Museen und reiste dort gedanklich in die Vergangenheit. Ich glaube, ich bin in der falschen Zeit geboren“, sagt Dagmar und lacht herzlich. Ihre Sammelleidenschaft begann mit vergilbten Büchern und verstaubten Kassen. „Mich fasziniert die Geschichte hinter jedem Teil, das du hier siehst“, erklärt sie und zeigt mir ein paar Lieblingsstücke.

 

 

Dazu gehört eine Schulbank. Ich erfahre, dass diese sehr besonders ist, da es sich um eine deutsche Bank handelt. Die sei schwer zu bekommen. „Ich habe sie auf einem Markt entdeckt, mich unsterblich verliebt und sie wagemutig aufs Dach von meinem ‚Knatti‘ geschnallt, um sie mir in mein Esszimmer zu stellen.“

 

 

Ob von der schicksalhaften Begegnung mit einem sogenannten Margarine-Schrank, den sie am Ende von ihrem Mann zu Weihnachten bekam, ob von Schweinestallklappen, die sie sich an die Wand gehängt hat oder von einem schweren Baumstamm vom Strand, aus dem sie einen Balken bastelte  – zu jeder Ecke ihrer Wohnung, zu jedem noch so kleinen Objekt, kann Dagmar mir eine abenteuerliche Geschichte erzählen.

 

 

Ihr Lieblingsplatz ist übrigens der rot-weiß karierte Sessel. „Anstatt Fernsehen zu gucken, sitze ich hier am liebsten mit einer Tasse Tee, meinem Hund Kimba zu den Füßen und erfreue mich an den schönen Dingen, die mich umgeben. Das bringt mir unwahrscheinlich viel Glückseligkeit“, sagt die Mutter einer Tochter und junge Oma einer Enkelin.

 

 

„Mit meinem eigenen Laden habe ich mir einen Lebenstraum erfüllt.“

In ihrem Laden „Einfach Zauberhaft“ hat sie in den letzten vier Jahren aber auch so einigen Kunden zu ihrem Möbelglück verholfen. „Ich liebe es, andere Menschen glücklich zu machen“, sprudelt es aus Dagmar heraus. Wichtig ist ihr dabei vor allem, für jedes Budget etwas anzubieten.

 

 

Das Besondere an ihrem Laden: Ob Schränke, Anrichten, Regale oder Stühle – Dagmar hat in mühevoller Arbeit düsteren Staubfängern mit hellen Farben ein neues Antlitz verliehen. „Als ich den ersten von mir aufgearbeiteten Schrank verkaufte, war das ein Wahnsinnsgefühl“, erinnert sie sich mit leuchtenden Augen.

Aufgrund von Mund-zu-Mund-Propaganda und des enorm positiven Feedbacks ist Dagmars Kundenstamm stetig gewachsen, sogar ganze Ferienwohnungen hat sie schon eingerichtet.

 

 

„Auf Märkten schaue ich nie gezielt, sondern lasse mich inspirieren.“

Ich möchte unbedingt wissen, wo sie die vielen antiken Besonderheiten herbekommt und wie sie die Möbel umgestaltet. „Hauptsächlich von versteckt gelegenen Trödel-Märkten aus Dänemark. Da ich Dänisch spreche, habe ich beim Verhandeln einen kleinen Vorteil. Ich gucke nie gezielt, sondern lasse mich inspirieren. Ich weiß vorher sowieso nie, was ich bekomme“, verrät sie. Mit ihrem „Knatti“, der auf den Märkten bereits Bekanntheit genießt, transportiert sie die erworbenen Schätze nach Husby, und dann geht die Arbeit erst so richtig los.

 

 

„Man trifft mich mindestens zwei Mal die Woche im Baumarkt.“

„Zeigefinger und Daumen sind meine wichtigsten Werkzeuge. Ich habe mir alles selbst beigebracht und viel durch Ausprobieren gelernt“, erzählt sie stolz. Ob Tapeten, Balken oder Hängeschränke in schwindelerregender Höhe – selbst ist die Frau bzw. die Dagmar. Kein Wunder, dass sie mittlerweile Stammkundin im Baumarkt ist.

 

 

Das Angebot an Kreidefarben stellte sie jedoch auf Dauer nicht zufrieden. Daher entwickelte Dagmar ihre ganz eigenen Techniken, um den Oberflächen von Möbeln diesen matten, leicht abgenutzten Stil zu verleihen, der sogar einem nassen Putzlappen trotzt. „Ich verstehe gar nicht, warum bisher noch keiner auf meine eigentlich recht simple Idee gekommen ist. Vielleicht sollte ich die mal an meinen Baumarkt des Vertrauens verkaufen“, schmunzelt sie. Ich kann ihr das Geheimnis zwar entlocken, halte aber mein Indianerehrenwort und verrate nichts!

Dafür habe ich aber noch ein paar tolle Wohntipps für dich im Gepäck! 🙂

 

 

„Ich kann die Neueröffnung kaum erwarten!“

Nun steht aber eine Veränderung an. „In den alten Räumlichkeiten meines Ladens konnte ich mich nicht mehr weiterentwickeln. Es war alles zu klein und zu eng. Daher bereite ich gerade den Umzug in den Speicher Husby vor“, erzählt sie mir. Dem Speicher wird sie schon bald neues Leben einhauchen und auf einer viel größeren Fläche zusammen mit ausgewählten Geschäften etwas Neues schaffen.

„Ich kann die Eröffnung kaum erwarten“, sagt sie und möchte mir unbedingt noch die neuen Räume zeigen. Ich darf sogar eine Runde mit in ihrem „Knatti“ fahren, der seinem Namen alle Ehre macht. Voller Begeisterung führt mich Dagmar im Speicher herum, in dem sie bereits einige Möbel aus dem alten Laden lagert. „Ich habe schon so viele Ideen, dass ich manchmal gerne Harry Potter wäre, um mit einem Zauberstaub alle meine Einfälle aus dem Kopf in einem Topf zu sammeln“, sagt sie und wir müssen beide lachen. Ich freue mich schon, hier demnächst wieder auf eine Reise in die Vergangenheit zu gehen – mit vielen bunten Eindrücken für dich im Gepäck!

 

 

Einfach Zauberhaft
Dagmar Hinrichs
Ab August/September im Speicher Husby

Website

Kontakt: 
info@einfach-zauberhaft.com
0172 / 414 27 72

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3 comments

  1. Andreas Becker

    Erstmal möchte ich mich für den tollen Beitrag bedanken. Ich kenn Dagmar nun schon seit 14 Jahren und kenne viele der abgebildeten Gegenstände. Ich denke, nein ich weiß, dass Dagmar dies alles genau so lebt. Das alles ist Dagmar. Weiter so.

  2. Mica

    Als Dagmar mir sagte das ich von ihr hier was lesen werde, war ich sehr skeptisch ob es Dagmar und Co :-), gerecht werden wird. Ich muss sagen der Bericht ist toll geschrieben. Das lesen spiegelt meine Empfindung jeder Begegnung wieder. Es sind nicht nur Möbel und Geschichten, für mich war die Begegnung mit Dagmar viel mehr. Dagmar haucht mit jeder Berührung, mit jedem Pinselstrich den vergessenen Begleitern leben ein. Jedes einzelne Stück was bei mir einziehen durfte, bereichert mich täglich und hat mich ankommen lassen. Danke für „Einfach Zauberhaft“.