So wohnt Kiel: Zu Besuch bei Künstlerin Ekaterina

Ihre Großmutter Tanja und Kinder – das sind die liebsten Motive der Malerin Ekaterina Ezhkova. Inspiriert von den Alltags- und Straßenfotografien ihres Großvaters Eugen. Zumeist aufgenommen im Sankt Petersburg der 50er Jahre. Gefunden hat Ekaterina diese wertvollen Erinnerungen in einer alten Kiste auf dem Dachboden, welche sie gerade noch so vor dem Wegwurf bewahren konnte. Auf den teilweise schon vergilbten Schwarz-Weiß-Fotografien sieht man adrett gekleidete Damen mit Sonnenbrillen und eleganten Schuhen. Genauso Kinder beim Warten in einer Schlange auf dem Spielplatz – trotzig und verschmitzt in die Kamera blickend.

„An diese Momente hat mein Opa sein Herz verloren“, erzählt mir die gebürtige Russin mit glänzenden Augen. „Es gab kaum einen Tag, an dem er das Haus ohne seine Kamera verließ. Vor allem meine Oma konnte er nicht oft genug ablichten. In der Kiste befinden sich unglaublich viele Fotos von ihr. Von ihr beim Sonnenbaden, beim Schiffsausflug, beim gedankenverlorenen Blick auf das Meer, beim Spielen mit den Kindern. Er hat so viele Momente, so viele Facetten von ihr festgehalten. Am liebsten sind mir die Bilder, auf denen meine Oma lächelt. Davon gibt es nicht sehr viele – sie hat schwere Zeiten durchleben müssen und war ein sehr nachdenklicher Mensch.“ Ekaterinas Familie stammt aus Sankt Petersburg. Dort verbrachte die Malerin viele Jahre, bevor es sie für ein Kunststudium erst nach Dänemark, und später dann auch in die Nähe der Familie ihres deutschen Mannes nach Kiel, zog. Vor ein paar Tagen durfte ich sie in ihrem kleinen Häuschen am Waldrand besuchen, und einen Blick in ihre Arbeitsräume werfen. Hier erlebte ich einen inspirierenden Tag mit einer unglaublich herzlichen Gastgeberin, die ich sofort in mein Herz geschlossen habe und so schnell nicht vergessen werde. Kommt mit auf diesen Besuch, kommt mit in die zauberhafte Welt der Ekaterina Ezhkova.

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Gemälde und Fotografien

Große, tiefgraue Kulleraugen. Ein neugieriger Blick, in dem man fast zu versinken scheint. Der Ausdruck einer unbeschwerten Eigensinnigkeit. Ekaterinas Gemälde sind lebendig und echt. Sie vermitteln uns ein längst vergessenes Gefühl aus unserer Kindheit, das wir finden und erkennen, wenn wir nur tief genug in uns hinein hören. Beim Betrachten der Kunstwerke lasse ich mich ganz in dieses Gefühl gleiten. Ein besonderer Zauber geht von Ekaterinas Werken aus. Es ist diese längst vergessene Welt voller Magie und Wunder, in welche mich ganz besonders die ausdrucksstarken Augen der gemalten Kinder sinken lassen. Einen Kontrast dazu stellen die abgebildeten Erwachsenen dar. Ihr Blick ist oft nicht mehr so leicht – stattdessen eher schwer und voller Sorge. Beschützend legen sie ihre Arme um die zarten Kinderschultern, oft wandern die Augen in die Ferne. Die Welt wieder mit den Augen eines Kindes sehen – das vermittelt Ekaterina mit jedem ihrer Werke. Sie fühlt sich in die Emotionen der fotografierten Menschen ein und ermöglicht es somit, diese Gefühle auf wundervolle Art und Weise einzufangen und dem Betrachter der Gemälde zu schenken. All diese Gefühle scheinen sich in Hand und Pinsel zu übertragen und in ihre Bilder zu fließen. Konzentriert und mit ernster Miene sitzt die Künstlerin an ihrem aktuellen Werk. Die Augen ganz dicht an die zarten Pinselstriche gehaftet. Ekaterina ist in diesen Momenten in ihrer ganz eigenen Welt. Die negativen Empfindungen aus den vergangenen Zeiten ihrer Großmutter macht sie durch ihre lebensfrohen Arbeiten auf positive Weise wieder präsent. Sie lässt die Aquarellfarbe in den auf Holzrahmen gespannten Stoff sickern und haucht der grauen Vergangenheit wieder Farbe ein.

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Keramik-Kreationen

Während ich mich weiter in Ekaterinas Arbeitszimmer umsehe, entdecke ich zudem überall verschiedenste Keramik-Kreationen. Blumentöpfe, filigrane Schälchen, Zuckerdosen. Aber auch Hingucker aus abstrakten Formen oder zum Verwechseln echt aussehende Nachbildungen von Naturprodukten wie Korallen oder Artischocken. In dem Anfertigen ihrer außergewöhnlichen Keramik hat Ekaterina für sich eine kreative Abwechslung zum Malen gefunden. Erwerben kann man die kleinen Kunstwerke in dem Kieler Inneneinrichtungsgeschäft room.

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So wohnt Ekaterina

Es duftet nach frisch gepflückten Blumen aus dem Garten, als mir Ekaterina an diesem typischen Aprilwetter-Tag die Tür öffnet und mich in ihr märchenhaftes kleines Häuschen in Alt-Mettenhof bittet. Draußen wechselt es im Minutentakt zwischen Schneeregen und Sonnenschein hin und her. Ich bin froh im Warmen zu sein und komme nicht umher mich schon im Flur mit großen Augen umzuschauen.

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Mein Blick wandert von einer hell angemalten Holztreppe über rustikale Steinwände und bleibt an einer auffälligen Lampe über dem Küchentisch hängen. Mit zahlreichen Papierschnipseln beklebt, strahlt der zum Designerstück umfunktionierte Lampenschirm eine behagliche Wärme aus.

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Ekaterina erzählt mir, dass bei ihr so gut wie alles selbstgemacht ist. Vor gerade einmal zwei Monaten zog sie mit ihrer Familie in das niedliche Häuschen ein. Im angrenzenden, verwilderten Garten entdeckte sie einen geheimnisvollen Schuppen.

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Hier stieß sie auf alte Schubladen, Nägel, Blechkisten und viele andere Materialien. Anstatt den Schuppeninhalt auf den Sperrmüll zu verbannen, zauberte Ekaterina aus diesen einfachen Gegenständen ganze Kunstwerke. Einfache Bretter, Kisten und Dosen funktionierte Ekaterina kurzerhand zu einzigartigen Hinguckern um.

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Mich begeistert auf Anhieb, wie viel Persönlichkeit und Kreativität in diesen vier Wänden steckt. Besonders schön finde ich hierbei auch, dass die Überbleibsel des Vorbesitzers mit zu dieser Persönlichkeit beitragen. Dass die Geschichte des Hauses nicht weggewischt wurde, sondern präsent bleibt und sich dabei trotzdem neu erfindet.

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Mit meinem Blick für das Detail treffe ich bei Ekaterina auf eine Verbündete. An diesem ganz besonderen Nachmittag beobachten wir die in der Sonne glitzernden Regentropfen auf den alten Ästen vor dem Fenster und die herumfliegenden, Pirouetten drehenden Staubkörnchen im Abendlicht. Ohne ihre achtsamen Augen wären Ekaterinas Werke nicht das, was sie heute sind. Manchmal dauert es nicht länger als ein paar Tage, bis Ekaterina mit einem Gemälde fertig ist. Das kommt immer dann vor, wenn sie Menschen malt die sie gut kennt, da sie sich in deren Emotionen am besten hineinversetzen kann. „Umso länger dauert es dann allerdings, bis ich mich von solch einem persönlichen Bild trennen kann“, verrät sie mir bei meinem Abschied.

Wer sich Ekaterinas Kunstwerke einmal persönlich anschauen möchte, der wird vom 17. – 20.04 von 15 – 19 Uhr im Kunstraum B fündig. Dort stellt die Künstlerin ihre aktuellen Werke vor und ist sogar die meiste Zeit vor Ort, um sich mit euch unterhalten zu können. Natürlich kann man Ekaterinas Bilder hier auch käuflich erwerben!

Das Team von Sat.1 Regional hat mich übrigens auf meinen Termin bei Ekaterina begleitet. Den Bericht könnt ihr euch nachträglich in der Mediathek ansehen.

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