Auf Lachvisite mit den Kieler Klinikclowns

Sie verschenken Luftballontiere, Seifenblasen und ein Lächeln an diejenigen, denen gerade nicht zum Lachen zumute ist: die Klinikclowns. Dass sie während der Kieler Woche sogar täglich bei den kleinen Patienten vorbeischauen, wusste ich bisher gar nicht. Ich durfte nicht nur die Menschen hinter den Clowns-Nasen kennenlernen, sondern Dr. Baguette und Dr. med. Wurst auf ihrer Lachvisite begleiten. 

Wann hast du das letzte Mal einem Menschen, dem es nicht gut geht, ein Lächeln ins Gesicht gezaubert? Dr. med. Wurst und Dr. Baguette schaffen das wie am Fließband. Bei kleinen Patienten und auch bei Ärzten und Krankenschwestern, die sich ein Schmunzeln nicht verkneifen können, wenn die zwei Klinikclowns mit roten Nasen, ulkigen Schuhen, verrückten Perücken und witzigen Utensilien zweimal die Woche durch die Gänge der Uni-Klinik streifen.

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Die beiden Klinikclowns, Philipp Dornberger vom Kieler-Woche-Büro, ich und Prof. Dr. med. Ulrich Stephani

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Gemeinsam etwas bewegen: die Klinikclowns und die Kieler Woche

Ein Krankenhaus ist sicher kein Ort, an dem sich Kinder gerne aufhalten. Vor allem nicht zur Kieler Woche, wenn die Spiellinie auf der Krusenkoppel, Europas größtes Kinder-Kultur-Angebot, und die vielen Kleinkünstler bei über 200 Auftritten Kinderaugen leuchten lassen. Umso schöner ist eine Aktion des Kieler-Woche-Büros: Während des gesamten Sommerfestes statten die Klinikclowns den Kindern täglich einen Besuch ab, um ihnen das Gefühl zu geben, auch dabei zu sein. Denn wenn sie die Kleinkunst nicht vor Ort erleben können, dann kommt die Kleinkunst eben zu ihnen. Seit sieben Jahren wechseln sich die Uni-Kinderklinik und das Städtische Krankenhaus jährlich ab.

Als ich von dieser gemeinsamen Aktion hörte, war ich ganz überrascht. Denn davon gewusst habe ich bisher nichts. Deshalb wollte ich unbedingt die Menschen kennenlernen, die sich so engagieren.

Dass zum Handwerkszeug eines Clowns nicht nur die rote Nase, sondern vor allem Feingefühl und Improvisationstalent gehören, wurde mir klar, als ich Dr. med. Wurst alias Harald Roos und Dr. Baguette alias Danielle Trépanier zusammen mit Philipp Dornberger, Leiter des Kieler-Woche-Büros, auf ihrer Lachvisite begleitete.

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Vom Lachen und Weinen

Harald, der heute vielen als der Kieler-Woche-Matrose bekannt ist, brachte das Konzept vor 15 Jahren an die Uni-Klinik. „Seit 1987 trete ich als Kleinkünstler an der Kiellinie auf. So viel Spaß mir diese Auftritte auch machten, ich wollte irgendwann mehr bewirken“, erzählt er mir kurz vor der Visite. Er stieß auf das Klinikclown-Konzept und wollte das Projekt an der Uni-Klinik umsetzen. Mit seiner Idee überzeugte er Prof. Dr. med. Ulrich Stephani, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin. Seitdem schlüpft Harald in die Rolle des Dr. med. Wurst.

„Die Arbeit als Klinikclown war eine neue Herausforderung. Denn anders als ein Clown, der auf der Bühne steht, müssen wir hier individuell auf unsere Zuschauer eingehen. Jedes Kind ist einzigartig“, erklärt er uns. „Jedes Zimmer ist ein eigenes Universum“, ergänzt Danielle, die vor sieben Jahren auf Harald aufmerksam wurde und seitdem seine Azubine Dr. Baguette spielt.

Die Kanadierin hat einen Theater-Master und eine richtige Clownsschule in London besucht. „Für mich ist es das Wichtigste, als Clown aus dem Herzen heraus zu spielen. Die Kinder fühlen es, wenn du ehrlich bist“, betont sie. „Die Essenz eines Clowns sind seine Fehler und Schwächen. Das lieben Kinder, denn sie erkennen sich selbst wieder.“

Ich stelle es mir nicht einfach vor, die vielen Schicksale im Krankenhaus hautnah mitzuerleben. „Als Clown lässt man die Trauer nicht so nah an sich heran. Aber natürlich baut man zu einigen Kindern eine enge Beziehung auf. Es ist hart, wenn sie sterben. Manchmal suchen wir uns Hilfe, um die Trauer zu verarbeiten“, erläutert Harald. „So viel Energie man von sich gibt, so viel bekommt man aber auch zurück“, sagt Danielle, bevor die beiden in ihre selbstkreierten Kostüme schlüpfen und sich auf den Weg zur Station begeben.

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Lachen ist die beste Medizin

Schon von dem Moment an, als wir den Gang betreten, hebt sich die Stimmung spürbar. Die beiden Clowns scheint eine besondere Aura zu umgeben, die alle schlechten Gedanken aufhebt. Ich habe ein mulmiges Gefühl, als ich das erste Krankenzimmer betrete, ohne zu wissen, was mich dort erwarten wird. Doch das Strahlen eines achtjährigen Mädchens, als sie die Clowns erblickt, lässt mich aufatmen. Ich spüre, wie sehr sie sich über die willkommene Abwechslung freut.

Ums Witzereißen geht es bei der Visite jedoch nicht, merke ich schnell. Gemeinsam mit den Kindern, von denen sie viele gut kennen, suchen die beiden Clowns nach lustigen Situationen, greifen ihre aktuellen Befindlichkeiten auf. Dazu braucht es viel Sensibilität und Spontanität. Sogar die angespannten Gesichter der Eltern hellen sich auf. Die zwei Meister der Improvisation spielen sich die Bälle so gut zu, dass auch ich unaufhörlich lachen muss.

Auch wenn es mich traurig macht, dass viele Kinder nicht das Glück haben, gesund zu sein, bin ich froh, dass die Klinikclowns die Betroffenen einen Moment lang ihr Leiden vergessen lassen – ob während der Kieler Woche oder über das ganze Jahr. Und damit das hoffentlich noch lange so bleibt, ist das Konzept auf Spenden angewiesen. Auch du kannst dazu beitragen, dass die Clownsvisiten in den Krankenhäusern weiter stattfinden können. Kein Witz!

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Spendenkonto des UKSH

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