Eine schwedische Auszeit

Was assoziieren die meisten Menschen mit Schweden?! Kälte, Stockholm und IKEA waren laut der Touristikwebsite VisitSweden bei einer Umfrage die mit am häufigsten genannten Begriffe. Wenn man nach den Kielern oder besser gesagt deren repräsentativem Schnitt – also mir – geht, wird „Alter Schwede“ diese aber schnell ablösen. Denn wer hier nach einer skandinavischen Auszeit sucht, ist in dem beschaulichen Restaurant genau an der richtigen Adresse – und das garantiert ohne Malm-Kommoden, Vanillekerzen oder Warteschlangen.

Zu Beginn meines kleinen Entspannungstrips ins Land der Fjorde, Elche und Pisa-Studien-Wunderland nimmt mich mein Reiseleiter Patrik Gustafsson in Empfang. Der 40-Jährige, der ein ganz bisschen aussieht wie Michel aus Lönneberga nur in erwachsen, begrüßt mich mit einem strahlenden Lachen, funkelnden blauen Augen und einer Schwedenfahne in der Hand – auch wenn er mir versichert, dass er das nur für mich gemacht hat. Wie in Schweden üblich gehen wir sofort zum „Du“ über. Patrik und ich nehmen auf der sonnendurchfluteten Terrasse Platz. Sofort gibt es leckeren Apfelkuchen, traumhaften Pflaumenkuchen und natürlich meine Lieblingszimtschnecken, die im Schwedischen Kaneelbulle genannt werden. Natürlich mit ganz viel Sahne. Kalorienbombe, aber leider geil. Dazu eine leckere Tasse Kaffee. Währenddessen erzählt mir der junge Schwede von seinem Leben in der Nähe von Göteborg, seiner Liebe zum Tennis, seiner Zeit auf Mauritius und seinem Traum, ein eigenes Restaurant zu eröffnen – alles mit diesem netten schwedischen Akzent.

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Dabei wird es langsam kühler und wir setzen uns ins Innere des Restaurants. Holztische, Dalapferde, Kerzenleuchter aus Metall, gehäkelte Lampenüberzüge – ich fühle mich wie auf Saltkrokan oder in Bullerbü. Wenn Astrid Lindgren noch leben würde, könnten wir uns hier bestimmt gut auf ein Schwätzchen treffen, alles umrahmt von swingender Jazzmusik. Ich schlage vor, dass man ja mal was von Robyn spielen könnte – immerhin ist das ein schwedischer Popstar. Patrik verspricht, zumindest einmal drüber nachzudenken.

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Mein Magen meldet sich und ich frage den Gastgeber, was er mir zu essen empfehlen würde. Er will mich überraschen und verschwindet in der Küche. Mit einem verschmitzen Blick kommt er wieder. „Jetzt trinken wir erst mal was“, kündigt er an und geht hinter die Bar mit weißen Holzpaneelen, die er in liebevoller Handarbeit selbst angefertigt hat. In den Regalen fallen mir sofort die unzähligen Sorten Absolut Vodka ins Auge. Patrik greift zum Vanille-Vodka und mischt ihn mit Cranberry- und Zitronensaft. Dazu noch ein Blaubeer-Vodka und fertig ist der Alte Schwede, eine Eigenkreation des Barkeepers aus Leidenschaft.

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Gerade trinke ich den ersten herrlich erfrischenden Schluck des rotleuchtenden Getränks, da kommt Patrik auch schon mit einem großen Tablett auf mich zugelaufen. Köttbuller, schwedische Hackbällchen, selbstgemachte Pommes und ein vegetarischer Burger warten darauf, verspeist zu werden. Einfach lecker! Nebenbei schaue ich mir die unzähligen Bücher an, die überall im Restaurant verteilt sind – natürlich alles über Skandinavien.

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Nach einer halben Portion muss ich aber aufgeben, anscheinend waren meine Augen da größer als mein Magen. Draußen ist es mittlerweile dunkel geworden und das ganze Restaurant erscheint in wärmendem Kerzenlicht. Zeit für mich, nach Hause zu gehen.

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Als Proviant nehme ich mir noch ein paar Lakritze aus dem kleinen Schwedenshop direkt neben der Bar mit, den Patrik nach seinen Reisen in die Heimat immer wieder auffüllt. Patrik verabschiedet mich mit einem freundlichen „Vi ses“, was auf Schwedisch bis bald heißt. Ich antworte mit „Tack“ zu Deutsch: Danke – das einzige Wort, das ich auf Schwedisch beherrsche. Und bin mir sicher – bald brauche ich bestimmt wieder eine schwedische Auszeit.

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Fotos: Kathrin Knoll

Entdecke:

Alter Schwede
Holtenauer Str. 186
24105 Kiel
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6 comments

  1. Gunnar

    Hallo Thore,

    guter netter Bericht. Aber wie Du erst schreibst heisst Patrick Patrick und nicht Stefan.
    Könntest Du ja mal korrigieren.

    VG

    -1
    • Thore Albertsen

      Thore Albertsen

      Hey Gunnar,
      vielen Dank für die Info. Hab ich abgeändert.

      Liebe Grüße,
      Thore

      -1
    • Thore Albertsen

      Thore Albertsen

      Hej Katta,

      vielen Dank für das nette Feedback, über das ich mich sehr gefreut habe.
      Dein Blog gefällt mir auch sehr gut – Werde ich mir merken!

      Liebe Grüße,
      Thore

  2. Franziska

    Schöner Bericht, gerne gelesen. Nur einige der schwedischen Worte sollten vielleicht korrigiert werden. Es heißt „köttbullar“ (gesprochen: schöttbullar) und „tack“. Nur mit „k“ ist es tak (dt. Dach). So, jetzt aber genug genörgelt… 😉

    • Thore Albertsen

      Thore Albertsen

      Hey Franziska,

      vielen Dank für die Info. Da muss ich wohl noch ein paar Schwedischvokabeln lernen. Wird geändert. 🙂

      Liebe Grüße

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Thore Albertsen

Mit vier Jahren zog ich mit meinen Eltern nach Schwedeneck. Seitdem sahen Kiel und ich uns ab und zu auf der Spiellinie der Kieler Woche. Mit 18 freundeten wir uns bei langen Partynächten im Tucholsky richtig an, und während meines Studiums festigte sich unsere Bindung. Seitdem sind wir unzertrennlich – beim Grillen im Schrevenpark, beim Joggen am Kanal oder beim Kaffee trinken im Resonanz. Förde Fräulein gibt mir die Möglichkeit, meine Stadt neu zu entdecken und meine Highlights mit euch zu teilen.